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Roundtables im Fach: Gemeinsam Schreib- und Informationskompetenzförderung weiterentwickeln

1 Kommentar schreiben zu Absatz 1 0 Heike Meyer & Judith Heeg (Universität Konstanz)


1. Einleitung

2 Kommentar schreiben zu Absatz 2 0 Wer wissenschaftlich arbeitet, muss vieles können: Sich einen Überblick über ein Forschungsthema verschaffen, eine adäquate Fragestellung für die eigene Arbeit entwickeln, systematisch recherchieren, die Rechercheergebnisse evaluieren, passende Literatur auswerten sowie die eigenen Erkenntnisse schriftlich darstellen und dabei (fach‑)‍wissen­schaftlichen Konventionen entsprechen sowie textsorten- und adressatenadäquat formulieren. Um diese komplexen Aufgaben bewältigen zu können, benötigen Studierende Anleitung und Übungsmöglichkeiten. Gleichzeitig sollen sie umfangreiches Fachwissen und fachwissenschaftliche Methodenkompetenzen erwerben, so dass die Herausforderung bewältigt werden muss, dies alles innerhalb eines Studiengangs zu leisten.

3 Kommentar schreiben zu Absatz 3 0 Der Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz hat dafür den Austausch und die Zusammenarbeit bei der Vermittlung von Informations- und Schreibkompetenzen zwischen Fachlehrenden und Expertinnen aus Bibliotheksdiensten und Schreibzentrum institutionalisiert. Ein im Fachbereich entwickeltes Konzept, wie in Proseminaren diese Kompetenzen gefördert werden sollen, wird durch jedes Semester stattfindende Roundtables der jeweiligen Proseminarlehrenden mit den Expertinnen aus Schreibzentrum und Bibliotheksdiensten begleitet.

4 Kommentar schreiben zu Absatz 4 0 In diesem Beitrag stellen wir dar, welche Auswirkungen das Proseminarkonzept und die Roundtables auf die Förderung von Informations- und Schreibkompetenzen im Studiengang haben. Zum einen wollen wir zeigen, welche Veränderungen wir im Lehrverständnis bezüglich der Vermittlung wissenschaftlicher Arbeitstechniken beobachten können, zum anderen diskutieren wir Chancen, aber auch Herausforderungen, die sich für uns externe Expertinnen in der Zusammenarbeit mit dem Fach ergeben. Neben der Integration der Schreib- und Informationskompetenzförderung im Fach betrifft das auch die Möglichkeiten von Kooperation zwischen Bibliotheksdiensten und Schreibzentrum als zwei getrennten Einrichtungen der Universität.


2. Systematische Förderung von Informations- und Schreibkompetenzen in Proseminaren

5 Kommentar schreiben zu Absatz 5 0 2.1. Ausgangslage

6 Kommentar schreiben zu Absatz 6 0 Der Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft ist einer von dreizehn Fachbereichen an der Universität Konstanz. Er bietet mehrere Studiengänge an, darunter einen Bachelor­studiengang Politik- und Verwaltungswissenschaft, der neben den namensgebenden Disziplinen auch eine Managementausrichtung beinhaltet. Studienbeginn ist jährlich zum Wintersemester, pro Jahr gibt es 189 Studienplätze. Der Fachbereich ist stark forschungs­orientiert, so dass Studierende bereits im Bachelorstudium anspruchsvolle wissenschaftliche Texte verfassen müssen.

7 Kommentar schreiben zu Absatz 7 1 Methodenwissen – und dazu gehören auch wissenschaftliche Arbeitstechniken – muss vermittelt werden, was den Fachbereichsverantwortlichen sehr bewusst ist. In der Vergangenheit wurden zur Vermittlung von Informations- und Schreibkompetenzen beispielsweise Vorlesungen und Übungen zum wissenschaftlichen Arbeiten genutzt. Um die bisherigen Erfahrungen auszuwerten und die Lehre weiter zu entwickeln, wurde 2014 eine Arbeitsgruppe beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, durch das alle Studierenden systematisch in diesen Arbeitstechniken gefördert werden. Diese Gruppe erarbeitete Richtlinien zur Gestaltung von Proseminaren, die die Fachbereichsleitung an alle Lehrenden verschickte und die ab dem Wintersemester 2014/15 in den Proseminaren umgesetzt werden sollten. In diesen Richtlinien wird die Zusammenarbeit mit Bibliotheksdiensten und Schreibzentrum empfohlen. Diese Zusammenarbeit baut auf den theoretischen und konzeptionellen Hintergrund der Vermittlung von Informations- und Schreibkompetenzen auf, den die beiden externen Institutionen einbringen.[1]

8 Kommentar schreiben zu Absatz 8 1 Die Zusammenarbeit des Fachbereichs mit der Fachreferentin aus den Bibliotheksdiensten ist fest etabliert, so gibt es z.B. seit dem Studienjahr 2004/2005 einen Informations­kompetenzkurs für BA‑Studierende. Das Schreibzentrum dagegen wurde erst im Herbst 2012 als zentrale Einrichtung gegründet und musste den Kontakt zum Fachbereich – wie auch zu anderen Fachbereichen – aufbauen. Als im Sommer 2014 die Proseminarrichtlinien beschlossen wurde, gab es bereits einige Lehreinheiten des Schreibzentrums in Veranstaltungen des Fachbereichs Politik- und Verwaltungswissenschaft, die auf Initiative einzelner Lehrender in deren Lehrveranstaltungen integriert wurden. Diese waren aber noch nicht fest etabliert und das Schreibzentrum war nur wenigen Lehrenden des Fachbereichs bekannt. Auch durch die Vermittlung der Fachreferentin der Bibliotheksdienste konnte sich das Schreibzentrum bei der Umsetzung der Proseminarrichtlinien einbringen.

9 Kommentar schreiben zu Absatz 9 0 2.2 Beschreibung der Maßnahme

10 Kommentar schreiben zu Absatz 10 1 Die Richtlinien sehen vor, dass alle Studierenden des Bachelorstudiengangs systematisch im Rahmen von zwei aufeinanderfolgenden Proseminaren wissenschaftliche Arbeits­techniken erlernen und einüben. Diese Proseminare sind laut Studienplan die ersten Veranstaltungen, in denen Studierende eine eigene Arbeit verfassen müssen. Sie wurden aufeinander aufbauend konzipiert, wobei Überschneidungen möglichst vermieden, gleichzeitig die Verzahnungen zwischen beiden Bereichen verdeutlicht werden sollen. Studierende werden somit von zwei unterschiedlichen Lehrenden anhand zwei verschiedener Fachthemen zu Arbeitstechniken unterrichtet.

11 Kommentar schreiben zu Absatz 11 0 Im ersten Proseminar, das im zweiten Fachsemester ansteht, sollen alle Studierenden des Jahrgangs mit grundlegenden Techniken aus dem Bereich Informationskompetenz vertraut gemacht werden. Die Richtlinien sehen im Wesentlichen vor, dass Literaturrecherche, ‑verwaltung und ‑analyse, kritisches Lesen und Wiedergabe wissenschaftlicher Texte, korrektes Zitieren sowie Plagiatsvermeidung[2] vermittelt werden. Zum Thema Literaturrecherche wird explizit empfohlen, auf die Expertise der Fachreferentin aus den Bibliotheksdiensten zurückzugreifen. Schwerpunkte ihrer Lehreinheiten sind die Themen „Recherchestrategien entwickeln“ und „Arbeit mit ausgewählten Suchinstrumenten“. Dabei möchte sie bei den Studierenden ein Bewusstsein dafür wecken, dass es einen Unterschied zwischen Alltagsrecherchen und Recherchen für die Wissenschaft inklusive der Bewertung von Suchergebnissen gibt; und dass es nötig und möglich ist, diese Kompetenzen zu erwerben.

12 Kommentar schreiben zu Absatz 12 0 Im sogenannten Proseminar II – in der Regel im dritten Semester im BA‑Studiengang – soll der Fokus auf das eigene Schreiben gelegt werden. Um dies zu erreichen, sehen die Richtlinien vor, dass „zwei schriftliche Teilprüfungsleistungen von den Studierenden eingefordert“[3] werden, ein Exposé und eine Seminararbeit. Auch hier wird in den Richtlinien explizit darauf aufmerksam gemacht, dass eine Lehreinheit beim Schreibzentrum angefragt werden kann, es werden aber keine thematischen Vorgaben gemacht, welche Teilkompetenzen des wissenschaftlichen Schreibens zentral sind und ob auf Prozess- oder Produktfragen eingegangen werden soll. Schwerpunkte der Einheiten der Schreibzentrums­mitarbeiterin sind das Erarbeiten einer Fragestellung, der Aufbau eines Exposés oder die Nutzung von (Peer‑)‌Feedback bei der Textüberarbeitung. Insgesamt möchte sie ein Bewusstsein für die Prozesshaftigkeit des Schreibens wecken, Studierende anregen, ihre Arbeitsweisen beim wissenschaftlichen Schreiben zu reflektieren, sowie zum Schreiben von Rohtexten und deren Überarbeitung ermuntern.

13 Kommentar schreiben zu Absatz 13 0 Um zu erreichen, dass die Richtlinien in möglichst allen Proseminaren umgesetzt werden, wurde mit Beginn der Maßnahme auch ein Roundtable initiiert, der jedes Semester stattfindet. Die Roundtables werden gemeinsam vom Fachbereich und den beiden Mitarbeiterinnen aus Bibliotheksdiensten und Schreibzentrum organisiert; der Fachbereich lädt nachdrücklich alle dazu ein, die im aktuellen Semester ein Proseminar lehren.

14 Kommentar schreiben zu Absatz 14 0 Dem Fachbereich ist es wichtig, dieses Lehrkonzept zu evaluieren, weshalb Fragebogen­erhebungen in allen Proseminaren seit dem Wintersemester 2015/2016 erfolgen. Nach einer Modifikation dieser Fragebögen wird seit dem Wintersemester 2016/17 zum Semesterende auf einer 5‑Punkte‑Skala nach der Vermittlung einzelner Kompetenzen, den geforderten Prüfungsleistungen und der Zufriedenheit mit der Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten gefragt; die konkreten Fragen sind auf den jeweiligen Proseminartyp abgestimmt. Der Fragebogen wird den Studierenden direkt in der Veranstaltung von der Lehrperson verteilt und über die Lehrevaluationsstelle der Universität ausgewertet. Die Ergebnisse werden in der Studienkommission beraten und bei Bedarf von dort in weitere Fachbereichsgremien zurückgespielt.


3. Umsetzung und Weiterentwicklung der Proseminarrichtlinien

15 Kommentar schreiben zu Absatz 15 0 3.1 Gestaltung der Roundtables

16 Kommentar schreiben zu Absatz 16 0 Während der Roundtable anfangs dem Fachbereich vor allem dazu diente, die Inhalte der Proseminarrichtlinien vorzustellen, nutzten die beiden externen Mitarbeiterinnen die Treffen von Beginn an auch, um didaktische Fragen zu diskutieren, die eigene Expertise weiter­zugeben und gemeinsam mit den Lehrenden zu überlegen, wie die Richtlinien möglichst gewinnbringend umgesetzt werden können. Die etwa 90‑minütigen Roundtables beginnen deshalb mit einer Information der Studiengangskoordinatorin. Danach gaben in den ersten Roundtables die beiden Expertinnen einen kurzen didaktischen Input. Später, da die Richtlinien schon einige Semester umgesetzt wurden, moderierten sie den kollegialen Austausch und ergänzten ihn aus ihrer Perspektive.

17 Kommentar schreiben zu Absatz 17 0 Die Organisation und inhaltliche Ausgestaltung der Roundtables birgt einige Herausforderungen. Zum einen ist die Terminfindung nicht einfach, da sie eigentlich früh genug stattfinden sollten, dass das dort Besprochene noch substanziell in die Planung der Lehrveranstaltung eingehen kann, die Lehrenden aber vor der Vorlesungszeit häufig nicht vor Ort sind. So hat sich ein Termin in der Woche vor Veranstaltungsbeginn etabliert. Zum zweiten werden die Proseminare im Fachbereich häufig von wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen gelehrt, die teilweise noch ganz am Anfang ihrer Dissertation stehen, oft ein geringes Lehrdeputat haben und häufig wechseln. Dies führt dazu, dass jedes Semester Lehrende dabei sind, die zum ersten Mal nach diesen Richtlinien (oder überhaupt) unterrichten, und dass im Sommersemester überwiegend andere Personen das Proseminar I lehren als im Wintersemester das Proseminar II. Dies macht die Gestaltung der Roundtables anspruchsvoll: Wie schafft man es, dass „Erstlehrende“ genügend Informationen und Anregungen bekommen, ohne dass der Roundtable für erfahrene Lehrende langweilig ist? Wie können Lehrende im Proseminar II auf das in Proseminar I Vermittelte aufbauen, wenn sie nicht wissen, wie das in den Richtlinien Festgelegte praktisch umgesetzt wurde?

18 Kommentar schreiben zu Absatz 18 1 Von den Lehrenden werden die Roundtables genutzt, um sich über Herangehensweisen bei der Gestaltung der Proseminare auszutauschen. Die Richtlinien wurden von einer Arbeitsgruppe entwickelt, deren Mitglieder „Proseminare nicht mehr oder nur selten unterrichten und daher schwer einschätzen können, wie aufwendig die Vermittlung von Arbeitstechniken ist [4]. Bei der Umsetzung müssen die Lehrenden die Richtlinien daher für ihren Lehralltag herunterbrechen und konkretisieren. Ganz praktisch werden im Roundtable deshalb didaktische Methoden und Materialien weitergegeben und wird anhand konkreter Aufgabenstellungen besprochen, wie das wissenschaftliche Recherchieren, Lesen und Schreiben direkt in das Proseminar hineingeholt werden kann. Beispielsweise wurden Ideen gesammelt, wie aufeinander aufbauende Übungen zu den Arbeitstechniken integriert oder das Lesen der wöchentlichen Pflichtlektüren mit Aufgaben verbunden werden können, durch die Informations- und Schreibkompetenzen gefördert werden. Auch werden Möglichkeiten, Peer-Feedback zu nutzen, erarbeitet. So übernahmen mehrere Lehrende beispielsweise die Idee, statt klassischer Referate Kurzpräsentationen der Exposés am Semesterende zu verlangen, zu denen die Kommiliton*innen und der Lehrende Feedback geben. Dies eröffnet auch mehr Gestaltungsspielräume für die anderen Sitzungen. Der Austausch in den Roundtables führte außerdem dazu, dass Leistungsnachweise umgestaltet wurden, dass in vielen Proseminaren Anforderungen an Hausarbeiten eindeutiger an den in den Richtlinien vorgesehenen Lernzielen ausgerichtet sind.

19 Kommentar schreiben zu Absatz 19 0 Da sich der konkrete Austausch für viele Lehrenden als hilfreich erwiesen hat, regten die beiden externen Expertinnen an, diesen auf der auf der Lernplattform ILIAS fortzusetzen und dort Materialien wie Übungen, Proseminarpläne, Bewertungskriterien oder Schreibaufträge zu teilen. Auf dieser Plattform stellen genauso wie in den Roundtables sowohl Lehrende als auch die beiden Mitarbeiterinnen aus den Bibliotheksdiensten und dem Schreibzentrum Materialien zur Verfügung, die nachgenutzt werden können. Dadurch werden einzelne Lehrende entlastet, da sie auf Bewährtes zurückgreifen können, statt alles selbst erarbeiten zu müssen.

20 Kommentar schreiben zu Absatz 20 0 Die Roundtables haben sich dahingehend bewährt, konkret miteinander zu erarbeiten, wie die Richtlinien didaktisch sinnvoll und gleichzeitig ressourcenschonend umgesetzt werden können. Sie dienen dabei auch der Vernetzung der Lehrenden, die sich teilweise aufgrund der Größe des Fachbereichs nicht kennen. Der Austausch zwischen Mitgliedern verschiedener Subdisziplinen des Fachbereichs sowie neuen und erfahrenen Proseminarlehrenden ermöglicht, Unsicherheiten bezüglich Auswahl und Umfang der zu vermittelnden Arbeitstechniken abzubauen.

21 Kommentar schreiben zu Absatz 21 0 3.2 Zentrale Diskussionen bei der Umsetzung

22 Kommentar schreiben zu Absatz 22 0 Bei der Umsetzung der Richtlinien zeigen sich unterschiedliche Perspektiven auf die Vermittlung von wissenschaftlichen Arbeitstechniken: von Fachbereich und externen Einrichtungen, Fachbereichsverantwortlichen und Proseminarlehrenden, jüngeren und erfahrenen Fachlehrenden oder Wissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Subdisziplinen des Fachbereichs. Wir schildern im Folgenden, wo ein gemeinsames Verständnis bei der Umsetzung der Richtlinien ausgehandelt wird oder unterschiedliche Ansichten nebeneinander stehen bleiben und sich in der Lehre möglicherweise ergänzen.

23 Kommentar schreiben zu Absatz 23 0 3.2.1 Wie sehr sollen Studierende beim Erlernen wissenschaftlicher Arbeitstechniken an die Hand genommen werden?

24 Kommentar schreiben zu Absatz 24 0 Obwohl im Fachbereich insgesamt ein hohes Bewusstsein dafür da ist, dass auch wissenschaftliche Arbeitstechniken gelehrt werden müssen, und dies in den Richtlinien zur Gestaltung der Proseminare festgelegt wurde, gibt es keinen vollständigen Konsens darüber, inwieweit die Vermittlung von basalen Arbeitstechniken Aufgabe der Universität ist. Hier treffen unterschiedliche Vorstellungen von den Aufgaben universitärer Lehre aufeinander. Während Bibliotheksdienste und Schreibzentrum, aber auch viele Lehrende im Fachbereich begrüßen, dass eine systematische Förderung von Informations- und Schreibkompetenzen in den Proseminaren erfolgen soll, sehen manche Lehrende darin eine starke Verschulung. Dieser stehen sie eher kritisch gegenüber, denn sie erwarten, dass Studierende Lücken, die sie im Bereich wissenschaftlichen Arbeitens haben, selbstständig und eigenverantwortlich, d.h. außerhalb der Lehrveranstaltungen, schließen. Diese Lehrenden befürchten, dass zu viele Angebote in dem Bereich dazu führen können, „dass wir Studierenden die Selbstständigkeit abtrainieren“. Trotz dieser Skepsis werden – das zeigen die Evaluationen – Arbeitstechniken in allen Proseminaren thematisiert, wenn auch unterschiedlich intensiv.

25 Kommentar schreiben zu Absatz 25 0 3.2.2 Welche spezifischen Informations- und Schreibkompetenzen sollen Studierende erwerben?

26 Kommentar schreiben zu Absatz 26 0 Die Richtlinien wurden vom Fachbereich erarbeitet, um systematisch allen Studierenden Techniken wissenschaftlichen Arbeitens zu vermitteln. Für Schreibzentrum und Bibliotheksdienste handelt es sich dabei aus der jeweiligen institutionellen Perspektive eindeutig um die Förderung von Informationskompetenz und Schreibkompetenzen. Im Austausch mit dem Fachbereich zeigt sich jedoch, dass es für Fachlehrende einen fließenden Übergang zwischen Informations- und Schreibkompetenzen und fachspezifischer Methodenkompetenz gibt.

27 Kommentar schreiben zu Absatz 27 1 In den Richtlinien bleibt vage, welche Arbeitstechniken Studierende konkret wie gut beherrschen sollen. Denn es werden so viele Teilkompetenzen genannt (vgl. Kap. 2.2), dass Proseminarlehrende nahezu zwingend einen Fokus auf einen Ausschnitt dieser Teil­kompetenzen legen müssen. Welche Schwerpunkte einzelne Lehrende setzen, hängt stark mit Denk- und Arbeitsweisen im speziellen Fachgebiet zusammen, wie die Diskussionen in den Roundtables regelmäßig zeigen. Diese unterschiedlichen Auffassungen zum Vorgehen zwischen den Subdisziplinen des Fachbereichs, die für die Wissenschaftler*innen selbstverständlicher, impliziter Teil ihres Wissenschaftsalltags sind, werden durch den Austausch bewusst. Das ermöglicht zwar nicht immer, dass sich die Lehrenden auf eine für alle Proseminare passende Auswahl von Informations- und Schreibkompetenzen einigen, doch kann Studierenden transparenter gemacht werden, dass manche Denk- und Arbeitsweisen ganz allgemein in der Wissenschaft, andere in dieser speziellen Teildisziplin wichtig sind.

28 Kommentar schreiben zu Absatz 28 0 Auch die Mitarbeiterinnen aus Bibliotheksdiensten und Schreibzentrum beeinflussen mit ihrer jeweiligen Perspektive die Schwerpunktsetzung. Zum einen können sie durch den Blick von außen dabei helfen, Selbstverständlichkeiten bei Fachlehrenden und Fachverantwortlichen zu erkennen und zu reflektieren, so dass diese bewusster in den Proseminaren thematisiert werden können. Zum anderen nehmen sie eine vermittelnde Rolle ein und betonen immer wieder, dass auch sehr basale Arbeitstechniken bei Studierenden – vor allem im zweiten bzw. dritten Semester des Bachelorstudiums – noch nicht vorhanden sind und auch noch nicht vorhanden sein können. Für diese Rolle sind sie aus zwei Gründen besonders gut geeignet: Erstens ist ihnen aufgrund ihrer informations- bzw. schreibdidaktischen Expertise bekannt, wie Informations- und Schreibkompetenzen in der Regel erworben werden, wie langwierig diese Lernprozesse sind und welchen Fehlannahmen Studierende häufig aufsitzen. Fachlehrende dagegen, wenn sie sich nicht extra dafür weitergebildet haben, können nur auf ihre eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Zweitens stehen externe Expert*innen normalerweise außerhalb des Bewertungskontexts, so dass Studierende ihnen vermutlich leichter Fragen nach sehr basalen Dingen stellen. Die so sichtbar gewordenen Wissenslücken können dann in Lehreinheiten oder in Beratungen mit Fachlehrenden thematisiert werden.

29 Kommentar schreiben zu Absatz 29 0 Der Austausch während des Roundtables, aber auch Beratungen mit einzelnen Lehrenden durch die beiden Expertinnen und deren eigene Schwerpunktsetzung in den Lehreinheiten hilft Lehrenden, dies sowohl passend zum eigenen Fachgebiet als auch in Abstimmung mit den anderen Fachlehrenden und dem Lehrkonzept des Fachbereichs angemessen zu entscheiden.

30 Kommentar schreiben zu Absatz 30 0 3.2.3 Welches Verhältnis zwischen fachwissenschaftlichem Inhalt und der Vermittlung von Arbeitstechniken ist angemessen?

31 Kommentar schreiben zu Absatz 31 0

32 Kommentar schreiben zu Absatz 32 1 Für eine gelingende Vermittlung von Informations- und Schreibkompetenzen ist die Anbindung an die Fachdisziplin entscheidend. Davon geht das Konzept aus, denn der alternativ diskutierte „Vorschlag der Einrichtung einer für alle Studierenden obligatorischen Vorlesung ‚Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten‘ wurde […] verworfen, mit der Begründung, dass sich diese Techniken nur schwer im ‚luftleeren‘ Raum erlernen ließen“[5]. Studierende sollen sich also nicht nur theoretisch mit Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens auseinandersetzen, sondern diese anhand eines Fachthemas erfahren und üben.

33 Kommentar schreiben zu Absatz 33 0 Unterschiedlich interpretiert werden kann dabei, inwieweit neben den wissenschaftlichen Arbeitstechniken auch Fachinhalte gelehrt werden müssen. Wird die Leistung der Proseminarlehrenden am Ende – auch – danach gemessen, welches Fachwissen Studierende in diesem Proseminar erworben haben, ob sie also z.B. zentrale Konzepte kennen und verstanden haben? Manche sehr junge Lehrende hatten den Eindruck, dass von den Professor*innen erwartet wird, dass sie – entgegen den Aussagen in den Richtlinien –vor allem fachwissenschaftliche Inhalte lehren.

34 Kommentar schreiben zu Absatz 34 0 Lehrende haben in der Regel ein großes Interesse an ihren Forschungsthemen und wollen diese auch vermitteln, prägnant zusammengefasst in der Aussage: „Wie viel Zeit muss man dafür [also für die Arbeitstechniken] opfern … oder opfert man gerne?“. Für außerhalb des Fachs stehende Personen wie die beiden Mitarbeiterinnen aus den Bibliotheksdiensten und dem Schreibzentrum ist es einfacher, die fachwissenschaftlichen Inhalte nicht in den Mittelpunkt zu stellen, sondern sie primär als Instrument für die Vermittlung von Arbeits­techniken anzusehen. Aus dieser Perspektive ist es manchmal leichter, Studierende da abzuholen, wo sie in Bezug auf Informations- und Schreibkompetenzen tatsächlich stehen, auch wenn dadurch einige thematische Aspekte wegfallen.

35 Kommentar schreiben zu Absatz 35 1 Auch die Studierenden haben überwiegend ein großes Interesse an den Themen ihrer Proseminare. So berichten Lehrende, dass in den Lehrevaluationen zu ihren Proseminaren kritisch angemerkt wurde, dass der Vermittlung wissenschaftlicher Arbeitstechniken zu viel, den Fachthemen zu wenig Raum gegeben worden ist. Auf der anderen Seite weist die zentrale Auswertung der Proseminarevaluation darauf hin, dass Studierenden sehr wohl bewusst ist, dass diese Kompetenzen grundlegend für einen erfolgreichen Verlauf ihres Studiums sind. Studierendenvertreter*innen betonen bei der Diskussion dieser Auswertung in der Studienkommission, dass „wissenschaftliche Arbeitstechniken in allen Proseminaren intensiv gelehrt werden müssen, weil Studierende andernfalls später große Schwierigkeiten haben, die Anforderungen an schriftliche Arbeiten zu erfüllen“.

36 Kommentar schreiben zu Absatz 36 0 Die Gewichtung von fachwissenschaftlichen Inhalten und der Vermittlung von Arbeits­techniken ist also ein wiederkehrendes Thema und wird von Lehrenden verschieden vorgenommen. Insgesamt lässt sich allerdings beobachten, dass der Vermittlung von Informations- und Schreibkompetenzen inzwischen deutlich selbstverständlicher mehr Raum gegeben wird als anfangs. Beispielsweise zeigt sich das daran, dass sehr viele Lehrende Arbeitstechniken im Seminarverlauf immer wieder aufgreifen und Zwischenprodukte für die Hausarbeiten verlangen, auf die sie selbst Rückmeldungen geben oder Peer‑Feedback organisieren, oder daran, dass Lehreinheiten der beiden externen Expertinnen gezielt zu bestimmten Fragen angefragt werden und so die Lehre aus dem Fach ergänzen. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine isolierte Lehreinheit, wird im Idealfall eng mit dem übrigen Seminarinhalt verzahnt, so dass sich das Einüben der Arbeitstechniken und Fachinhalte wechselseitig ergänzen.

37 Kommentar schreiben zu Absatz 37 0 3.2.4 Welche wissenschaftlichen Arbeitstechniken können im Proseminar II bzw. im weiteren Studienverlauf als gegeben vorausgesetzt werden?
Wie viel Normierung durch die Proseminarrichtlinien ist wünschenswert und möglich?

38 Kommentar schreiben zu Absatz 38 0 Die beschriebene unterschiedliche Auswahl von Teilkompetenzen, die vermittelt werden, und die unterschiedlich starke Konzentration auf Fachinhalte führen dazu, dass nicht alle Studierenden dasselbe lernen. Zusätzlich treffen die Arbeitstechniken, die vermittelt werden, auf heterogenes Vorwissen und individuelle Interessenslagen der Studierenden, so dass die Intervention unterschiedliche Wirksamkeit zeigt. So kann man bei der Gestaltung der Proseminare II nicht auf verbindlich in Proseminar I Vermitteltes aufbauen. Lehrende der Proseminare II gehen deshalb z.T. dazu über, aus ihrer Sicht wichtige Inhalte aus den Vorgaben für das Proseminar I abzufragen und bei Bedarf oder sogar grundsätzlich zu wiederholen.

39 Kommentar schreiben zu Absatz 39 0 Es kann somit auch nicht davon ausgegangen werden, dass bestimmte Arbeitstechniken von allen Studierenden nach Besuch beider Proseminare beherrscht werden. Zu Beginn des Konzepts war in den Roundtables ein Druck spürbar, Studierende in den Proseminaren so zu unterrichten, dass sie alles, was in den Proseminarrichtlinien benannt ist, danach auch beherrschen, so dass sich die weiteren Lehrveranstaltungen ausschließlich den Fachthemen widmen können. Zumindest einige der Proseminarlehrenden hatten den Eindruck, im Fachbereich wird die Verantwortung für die Vermittlung wissenschaftlicher Arbeitstechniken stark an die Proseminare abgegeben und Lehrende im weiteren Studienverlauf würden erwarten, dass Studierende diese Kompetenzen vollständig mitbrächten. Diesen Eindruck bestätigen die oben zitierten Äußerungen von Studierendenvertreter*innen. Auf der anderen Seite wächst der Konsens, dass das Aneignen von Informations- und Schreibkompetenzen Zeit für die Vermittlung und für das Einüben braucht, so dass unabhängig davon, wie viel und was genau in den Proseminaren vermittelt wird, Studierende auch im weiteren Studien­verlauf dazu lernen müssen. Dies ist auch deshalb notwendig, weil im Fachbereich beobachtet wird, dass „bis zur Erstellung der BA‑Abschlussarbeit viele Kompetenzen auch wieder verloren gehen, bzw. nicht richtig angewendet werden“. Eine vollständige Normierung ist also grundsätzlich nicht möglich. Dennoch wird im Roundtable immer wieder thematisiert, ob durch eine stärkere Verbindlichkeit der Richtlinien Proseminarlehrende gegen Erwartungshaltungen sowohl auf Seiten der Studierenden als auch auf Seiten der Professuren abgesichert werden könnten. Dieser Wunsch steht im Widerspruch dazu, die eigene Lehre frei gestalten zu können, auf den Punkt gebracht von einem Postdoc: „Was mischt sich da jemand in mein Seminar ein?“. Die überwiegende Einschätzung der Lehrenden ist somit, dass die Richtlinien „ausreichend spezifisch und gleichzeitig vage genug“ sind, so dass genügend Gestaltungsspielräume vorhanden sind.

40 Kommentar schreiben zu Absatz 40 0 Insgesamt gibt es im Fachbereich einen Konsens, dass sich die konkrete Seminargestaltung über ein Dokument nur schwer vereinheitlichen lässt. Dass es deshalb „durchaus noch Varianz in der Vermittlung [von Informations- und Schreibkompetenzen] in den verschiedenen Proseminaren gibt“ ist auch den Fachbereichsgremien bewusst. Durch weitere Materialien wie z.B. Arbeitsanweisungen für Exposés oder Bewertungsrichtlinien, die der Fachbereich den Lehrenden zur Verfügung stellt, wird aktuell versucht, eine größere Einheitlichkeit zu erzielen.

41 Kommentar schreiben zu Absatz 41 0 3.2.5 Wer kann wissenschaftliche Arbeitstechniken gut vermitteln?

42 Kommentar schreiben zu Absatz 42 0 Selbst wenn Einigkeit darüber besteht, dass wissenschaftliche Arbeitstechniken gelehrt werden müssen, bleibt unklar, welche Lehrpersonen dafür geeignet sind. In den Proseminar­richtlinien wird davon ausgegangen, dass dies Fachlehrende in Zusammenarbeit mit externen Expert*innen aus Bibliotheksdiensten und Schreibzentrum sind. Doch welche Rolle nehmen beide Parteien dabei ein? Wie verhalten sich die Erfahrungen der Fachlehrenden zu Konventionen und Anforderungen im eigenen Fachgebiet zum Spezialwissen aus den Bereichen Informations- und Schreibkompetenzen? Sind die externen Expert*innen Dienstleister*innen, deren Lehreinheiten und/oder Lehrmaterialien genutzt werden können, oder sind sie gleichberechtigte Partner*innen der Fachlehrenden? Beraten sie Fachlehrende dazu, wie diese Informations- und Schreibkompetenzen lehren können, arbeiten sie alleine direkt mit den Studierenden oder vermitteln sie gemeinsam mit den Fachlehrenden wissenschaftliche Arbeitstechniken im Dialog? Durch die Roundtables wurde eine Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen etabliert, die es ermöglicht, je nach Bedarf unterschiedliche Rollen bei der Vermittlung von Informations- und Schreibkompetenzen einzunehmen. Dabei begegnen sich die Mitarbeiter*innen auf Augenhöhe, sind doch die einen Expert*innen für ihr Fach und Verantwortliche für die eigene Lehrveranstaltung, die anderen Expert*innen zu Fragen der Informations- und Schreibkompetenzen.

43 Kommentar schreiben zu Absatz 43 1 Auch innerhalb der Gruppe der Fachlehrenden kann diskutiert werden, wer für die Vermittlung von Arbeitstechniken gut geeignet ist: Sind es eher diejenigen, die am Anfang ihrer wissenschaftlichen Karriere stehen und deren erste Erfahrungen mit universitären Schreibaufgaben noch nicht lange zurückliegen, weil sie sich noch gut in die Fragen und Bedürfnisse der Studierenden hineinversetzen können? Oder ist die Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten vielmehr die Königsdisziplin der Hochschullehre, die von sehr erfahrenen Professor*innen gelehrt werden sollte? Neben Fragen der Lehrkompetenz berührt diese Diskussion auch Fragen der Reputation. Von einer erfahrenen Lehrperson, die Vergleiche mit anderen Lehrveranstaltungstypen ziehen kann, wird angemerkt, dass die Einführung von Studierenden in „das akademische Denken besonders zeit- und beratungs­intensiv“ ist. Dies wird allerdings „im Lehrdeputat nicht angemessen berücksichtigt“. Junge Lehrende haben vor dieser Aufgabe teils großen Respekt und wären dankbar, sie könnten sich eher auf die Vermittlung ihrer Forschungsthemen konzentrieren. Gleichzeitig gibt es unter ihnen sehr viel Offenheit gegenüber Impulsen von außen sowie Bereitschaft, sich in didaktischen Fragen stark zu engagieren.


4. Diskussion des Proseminarkonzepts

44 Kommentar schreiben zu Absatz 44 0 Auch wenn im Fachbereich die Einschätzung, welche Kompetenzen Studierende nach Proseminar I und II tatsächlich erworben haben, relativ verhalten ist, kommen Fachbereichs­verantwortliche und Lehrende zu dem Schluss, dass sich „eine deutliche Verbesserung seit der Einführung der strukturierten Proseminare feststellen“ lässt. Die Einführung der Proseminarrichtlinien führte dazu, dass regelmäßig viele Lehrende des Fachbereichs damit konfrontiert werden, dass Informations- und Schreibkompetenzen gelehrt werden sollen und wie dies umgesetzt werden kann. „Es wird jetzt von vielen, wenn auch noch nicht von allen Lehrenden, darüber reflektiert, wie Schreib- und wissenschaftliche Kompetenzen vermittelt werden können.“ Dies schließt an die eingangs erwähnte Methodenorientierung des Fachbereichs an und verdeutlicht, dass auch das Erlernen wissenschaftlicher Arbeits­techniken ein wichtiger Teil des Studiums ist, der entsprechend in der Lehre angeleitet und begleitet werden muss.

45 Kommentar schreiben zu Absatz 45 0 Wie hoch die Relevanz der Vermittlung von wissenschaftlichen Arbeitstechniken eingeschätzt wird, zeigen auch die Diskussionen im Fachbereich, ob das Lehrkonzept zu den Proseminaren ausreicht, um zentrale Arbeitstechniken bei Studierenden nachhaltig zu verankern. Um der Vermittlung mehr Raum zu geben, wurde im Fachbereich überlegt, die Proseminare vier- statt wie bisher zweistündig zu unterrichten, statt zwei verschiedener ein Proseminar über zwei Semester zu lehren oder ein Proseminar III mit Schwerpunkt Forschungsdesign einzuführen. Bisher wurde keine dieser Ideen umgesetzt, da für alle eine Änderung der Prüfungsordnung notwendig wäre.

46 Kommentar schreiben zu Absatz 46 0 Inwieweit sich die Auseinandersetzung mit der Vermittlung von wissenschaftlichen Arbeitstechniken, die im Zusammenhang mit den Proseminaren erfolgt, in weiterführenden Lehrveranstaltungen niederschlägt, ist schwer zu beurteilen. Es lässt sich allerdings beobachten, dass auch für Lehrveranstaltungen bis in den Masterstudiengang Beratungen und Lehreinheiten angefragt werden. Das lässt den Rückschluss zu, dass die Proseminar­lehrenden den Austausch über die Vermittlung von Informations- und Schreibkompetenzen in ihre Arbeitsgruppen und damit auch zu den Professor*innen tragen. Denn Proseminar­lehrende, wie schon erläutert, gehören in der Regel dem wissenschaftlichen Nachwuchs an und haben ein geringes Lehrdeputat, so dass sie selbst nur wenige Veranstaltungen für fortgeschrittene Studierende unterrichten.

47 Kommentar schreiben zu Absatz 47 0 Auch wenn die Proseminarrichtlinien vom Fachbereich ohne Mitwirkung von Bibliotheks­diensten und Schreibzentrum erarbeitet und beschlossen wurden, ist die Zusammenarbeit mit diesen Einrichtungen dadurch im Fachbereich fest verankert: Alle neuen Lehrenden werden konsequent auf die Möglichkeiten, Bibliotheksdienste und Schreibzentrum in die eigene Lehre (im Proseminar, aber auch darüber hinaus) einzubinden, aufmerksam gemacht, und nutzen diese häufig. Der Fachbereich systematisiert damit nicht nur die Vermittlung von wissenschaftlichen Arbeitstechniken, sondern signalisiert auch deutlich, was ihm in der Lehre wichtig ist und dass die Expertise der zentralen Einrichtungen geschätzt wird. Einerseits werden durch die Vorgaben Anforderungen an Lehrende gestellt, zumal über die Proseminarevaluation abgefragt wird, inwieweit einzelne Lehrende die Richtlinien umsetzen. Andererseits werden Lehrende aber auch dabei unterstützt, diesen Anforderungen zu entsprechen.

48 Kommentar schreiben zu Absatz 48 0 Bibliotheksdienste und Schreibzentrum nehmen dem Fachbereich und einzelnen Lehrenden gegenüber zwei Rollen ein. Zum einen treten sie ganz klar als Dienstleister auf und tragen durch die Übernahme von einzelnen Seminarsitzungen und die Bereitstellung konkreter Arbeitsmaterialien zu einer spürbaren Entlastung der Fachlehrenden bei. Zum anderen weisen sie immer wieder darauf hin, dass die Vermittlung von Informations- und Schreibkompetenzen wichtig ist und zwar Zeit und Anstrengung in der Lehre benötigt, aber auch das fachliche Lernen intensiviert.

49 Kommentar schreiben zu Absatz 49 0 Von der engen Zusammenarbeit zwischen Bibliotheksdiensten und Schreibzentrum profitieren beide Institutionen. Auch wenn unterschiedliche Inhalte gelehrt werden, sind didaktische Überlegungen sehr ähnlich. Die Kooperation hilft zum einen beiden Stellen, ihr eigenes Profil noch zu schärfen und – auch in Abgrenzung zur jeweils anderen Institution – für sich zu klären, welche Zuständigkeiten und welche Expertise jeweils vorhanden sind. Zum anderen wird die Relevanz von Informations- und Schreibkompetenzen gegenüber den Fächern verdeutlicht, wenn zwei Institutionen gemeinsam sich für beide Kompetenzfelder stark machen. Die intensive Zusammenarbeit mit diesem Fachbereich trägt dabei auch zur Weiterentwicklung der Angebote von Schreibzentrum und Bibliotheksdiensten für andere Fächer bei. Ganz konkret werden Materialien, die für den Fachbereich entwickelt wurden, abgewandelt für andere Fächer genutzt. Darüber hinaus ermöglicht der kontinuierliche Austausch mit den Politik- und Verwaltungswissenschaftler*innen, ein noch besseres Verständnis für die Perspektiven von Fachlehre zu gewinnen.

50 Kommentar schreiben zu Absatz 50 1 Insgesamt kann also festgestellt werden, dass sich die Zusammenarbeit und das durch die Roundtables fest institutionalisierte Gespräch zwischen allen drei Bereichen bewährt haben: Dies gilt auch oder vielleicht gerade dann, wenn sehr unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Die Entscheidungshoheit liegt im Fachbereich bzw. bei den Lehrenden jeder einzelnen Veranstaltung im Fach. Doch sind Impulse von Bibliotheksdiensten und Schreibzentrum mittlerweile sehr willkommen und haben dazu beigetragen, die Lehre im Fach weiterzuentwickeln.


51 Kommentar schreiben zu Absatz 51 0 [1] Dieser Artikel versteht sich als best practice-Beitrag. Für theoretisch-konzeptionelle Überlegungen mit weiterführenden Literaturhinweisen vgl. Everke Buchanan, Stefanie & Heeg, Judith (2019). „Gemeinsam statt einsam“ – Kooperation zwischen Schreibzentrum und Bibliothek zur Förderung wissenschaftlichen Arbeitens von Studierenden. In Wilfried Sühl-Strohmenger & Ladina Tschander (Hrsg.), Praxishandbuch Schreiben in der Hochschulbibliothek (S. 274–295). Berlin: De Gruyter Saur.

52 Kommentar schreiben zu Absatz 52 0 [2] Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft (2014). Richtlinien zur Gestaltung von Proseminaren. [Internes Dokument], S 2. Im Folgenden zitiert als Proseminarrichtlinien.

53 Kommentar schreiben zu Absatz 53 0 [3] Proseminarrichtlinien, S. 2.

54 Kommentar schreiben zu Absatz 54 0 [4] Zwischen Anführungszeichen und kursiv gesetzt sind Äußerungen von Fachlehrenden in den Roundtables oder in persönlichen Gesprächen über das Proseminarkonzept. Dabei wurde der Roundtable im Oktober 2019 gezielt dazu genutzt, um für diesen Beitrag grundsätzliche Fragen zu diskutieren; es wurden explizit auch Lehrende eingeladen, die aktuell kein Proseminar unterrichten, dies aber schon gemacht hatten. Ergänzend wurden Lehrende, die aufgrund ihrer Rolle im Fachbereich besondere Verantwortung für die Weiterentwicklung der Richtlinien haben, bei persönlichen Treffen oder per Mail um eine Rückmeldung gebeten.

55 Kommentar schreiben zu Absatz 55 0 [5] Proseminarrichtlinien, S. 1.

Quelle:https://schreibenlehren.de/roundtables-im-fach-gemeinsam-schreib-und-informationskompetenzfoerderung-weiterentwickeln/