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Aktiver Einstieg in fach-eigene Textsorten

Werkstattbericht eines schreibintensiven juristischen Tutoriums

1 Kommentar schreiben zu Absatz 1 0 Simon Gauseweg (Europa-Universität Viadrina Frankfurt, Oder )


2 Kommentar schreiben zu Absatz 2 0 A. Einführung

3 Kommentar schreiben zu Absatz 3 7 Juristische Arbeit ist Textarbeit. Reale Ereignisse und Verhältnisse werden zu Texten abstrahiert. Diese werden anhand der Gesetzestexte auf eine juristische Folgerung (etwa, ob A von B etwas fordern kann, ob C bestraft wird oder ob D eine staatliche Maßnahme dulden muss) hin bewertet; dabei unterstützen Texte (anderer) Urteile sowie Kommentar- und allgemein Fachliteratur.[1] Am Ende eines solchen Prozesses steht eine Entscheidung,[2] häufig ein Urteil, fast immer in Textform. Schreibkompetenz ist daher Kernkompetenz für die praktische juristische Arbeit.

4 Kommentar schreiben zu Absatz 4 2 Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, sicher qualitativ hochwertige Fachtexte zu produzieren, auch im Studium: Nahezu sämtliche universitären Prüfungsleistungen im Jurastudium erfolgen schriftlich.[3] Der überwiegende Teil der ersten juristischen Prüfung („1. Staatsexamen“) wird schriftlich abgelegt,[4] zur mündlichen Prüfung kommt es in der Regel überhaupt erst, wenn das Ergebnis des schriftlichen Teils eine bestimmte Notenschwelle überschreitet.[5]

5 Kommentar schreiben zu Absatz 5 2 Gleichzeitig unterscheiden sich die schriftlichen Prüfungsleistungen untereinander nur marginal nach Fachgebiet und hinsichtlich steigender Anforderungen vom Grundstudium über das Hauptstudium bis ins Examen meist nur in der Komplexität der zugrunde liegenden Sachverhalte und der Dauer der Prüfung. Abgesehen von Seminar- und Schwerpunktarbeiten, die als Themenarbeiten[6] ausgestaltet sind, wird die Textsorte von schriftlichen Aufsichtsarbeiten (Klausuren) und Hausarbeiten als Gutachten bezeichnet.

6 Kommentar schreiben zu Absatz 6 5 Studierende der Rechtswissenschaft müssen also bereits vom ersten Semester an diejenigen Texte produzieren (lernen), die auch in den Abschlussprüfungen von ihnen gefordert werden. Trotz der Tatsache, dass diese Sorte dem Jurastudium eigen ist und kaum außerhalb deutscher Jura-Fakultäten zu finden ist, wird ihnen das Schreiben oft nicht aktiv oder nur „nebenbei“ vermittelt,[7] was sich auch immer wieder in sprachlich falschen und stilistisch unzureichenden Arbeitsergebnissen widerspiegelt.[8] Die studentische Reaktion auf die darauf unausweichlich folgende schlechte Benotung besteht laut ganz überwiegender anekdotischer Evidenz aus dem Kreise der Kolleginnen und Kollegen des Verfassers vornehmlich in Unverständnis und Frustration.[9] Verstärkt wird dieser Effekt zuweilen durch fehlende oder unverständliche Anmerkungen in der Klausurkorrektur.

7 Kommentar schreiben zu Absatz 7 3 Derlei Ungemach ist aber unnötig und kann nach Überzeugung des Verfassers[10] leicht vermieden werden, wenn bereits ganz zu Beginn des Studiums die Erwartungen an ein juristisches Gutachten (dazu B.) klar kommuniziert und Studierende gezielt an das Schreiben herangeführt werden. Das schließt auch, besonders in der Anfangsphase, häufige und qualifizierte Rückmeldungen ein.[11]

8 Kommentar schreiben zu Absatz 8 1 Der vorliegende Werkstattbericht zeichnet einen entsprechenden Versuch und deren empirische Überprüfung durch den Verfasser nach (C.) bevor zum derzeitigen Stand des Projekts ein Zwischenfazit gezogen wird (D.).


9 Kommentar schreiben zu Absatz 9 1 B. Das juristische Gutachten

10 Kommentar schreiben zu Absatz 10 0 Vorausgeschickt werden müssen jedoch einige Anmerkungen zur Textsorte des juristischen Gutachtens als solcher.

11 Kommentar schreiben zu Absatz 11 0 Ein Gutachten „gibt (…) Antwort auf [eine] Frage und nennt die für diese Antwort maßgebenden Gründe, indem [es] schrittweise den ‚Weg‘ des Denkens wiedergibt, der von nachprüfbaren Voraussetzungen ausgehend zu Einzelergebnissen führt. (…) Der Bearbeiter (…) mu[ss] daher darlegen und begründen, welche Lösung er aufgrund ihrer logischen Ableitung aus den [Gesetzen] und dem Sachverhalt ‚für gut erachtet‘.“[12]

12 Kommentar schreiben zu Absatz 12 0 Die Referenz auf logische Ableitung ist wörtlich zu verstehen: Die grundlegende Aufbauform des juristischen Gutachtens besteht im syllogistischen Schluss:[13] An einer allgemeine Regel (Obersatz) wird ein konkreter Sachverhalt geprüft (Untersatz) und somit vom Allgemeinen auf das Spezielle logisch geschlossen. Nach dieser Methode wird jedes Einzelproblem[14] des Sachverhalts analysiert.

13 Kommentar schreiben zu Absatz 13 6 Im „gutachterlichen Viererschritt“[15] bedeutet dies, dass zunächst eine Hypothese aufgeworfen wird (erster Schritt, auch als „Obersatz“ bezeichnet; Wieduwilt schlägt dagegen mit guten Gründen „Einstieg“ vor;[16] Valerius spricht vom „Einleitungssatz“[17]). Deren abstrakte Voraussetzungen (zweiter Schritt, tatsächlicher Obersatz des Syllogismus, oft aber als „Definition“ bezeichnet) werden sodann dargestellt. Daraufhin wird in der sog. „Subsumtion“[18] (dritter Schritt) einen konkreten Sachverhalt auf Vorliegen oder Fehlen der zuvor genannten Voraussetzungen geprüft. Abschließend wird das Ergebnis des Prüfungsvorgangs festgehalten (vierter Schritt). Dieser Weg ist als „Gutachtenmethode“ zu bezeichnen; leider hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch die etwas unpräzisere Bezeichnung „Gutachtenstil“ eingebürgert.[19]

14 Kommentar schreiben zu Absatz 14 3 Zur „besonderen Art und Weise“, ein Gutachten zu formulieren („Stil“[20]) gehört indes mehr:[21] Das Gutachten folgt vor allem den Grundsätzen der Neutralität und der Ökonomie.[22]

15 Kommentar schreiben zu Absatz 15 0 Besonders aus Letzterem folgt ein „Gebot der Knappheit“,[23] das verbietet, den oben dargestellten Viererschritt bis in die allerletzte Konsequenz durchzuhalten: Wenn im strafrechtlichen Klausursachverhalt festgehalten ist, dass E auf F schoss und F daraufhin verstarb und nun die Strafbarkeit von E wegen Mordes oder Totschlages (§§ 211, 212 StGB) zu prüfen ist – dann ist es richtig darzulegen, dass E nur dann wegen Mordes oder Totschlages strafbar sein kann, wenn ein Mensch (und nicht etwa ein Tier) zu Tode gekommen ist. Vollkommen überflüssig ist an dieser Stelle aber, ausführlich zu überprüfen, ob F nun ein Mensch („jedes geborene, unabhängig vom Leben der Mutter lebende (…) menschliche Wesen vom Beginn der Geburt bis zum Eintritt des Hirntods“[24]) war und nun tot ist (also die Wechselwirkungen der Neuronen in seinem Gehirn gänzlich zum Erliegen gekommen sind). Stattdessen genügt es, lapidar zu schreiben, mit F sei ein Mensch gestorben.[25]

16 Kommentar schreiben zu Absatz 16 0 Diese Technik, entweder nur den Subsumtionsschritt (ggf. mit Teilen der Definition) darzustellen[26] oder gar sämtliche Prüfungsschritte wegzulassen und lediglich das Ergebnis zu nennen,[27] wird oft als Feststellungsstil bezeichnet.[28] Mit guter Begründung schlagen Lagodny, Mansdörfer und Putzke die Terminologie Behauptungsstil für die verkürzende Feststellung und Begründungsstil für den ausführlichen Viererschritt vor.[29] Unabhängig von der Bezeichnung ist diese Art der Schwerpunktsetzung innerhalb juristischer Gutachten nicht nur zulässig, sondern geradezu erwünscht, da ausdrücklich Prüfungsgegenstand:[30] Nur Probleme müssen ausführlich, Selbstverständlichkeiten und Offensichtliches[31] aber in gebotener Kürze abgehandelt werden.


17 Kommentar schreiben zu Absatz 17 0 C. Der Versuch einer schreibintensiven juristischen Arbeitsgemeinschaft

18 Kommentar schreiben zu Absatz 18 0 Nach Vorbereitung insbesondere im vorhergehenden Sommersemester wurde im Wintersemester 2019/2020 an der Europa-Universität Viadrina der Versuch unternommen, die Lern- und daraus folgend auch die Prüfungsleistungen von Erstsemesterstudierenden dadurch zu verbessern, die vorgestellte Gutachtenmethode nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern auch ganz praktisch, mit dem Stift in der Hand, einzuüben. Im Folgenden sollen zunächst Anlass und Motivation zu diesem Versuch näher dargelegt werden (I.). Nach einer Kurzbeschreibung der Veranstaltung (II.) soll das Veranstaltungskonzept (III.) inklusive der verwendeten Lehr-/Lernmethoden (dazu III.2.) beschrieben und die Evaluation skizziert werden (IV.). Der Abschnitt schließt mit Überlegungen zur Übertragung der verwendeten Methoden auf andere Disziplinen (V.).

I. Anlass und Motivation

19 Kommentar schreiben zu Absatz 19 0 Die vorgenannten Regeln zu Inhalt und Gestaltung des Gutachtens sind zwar leicht zu erlernen, die Anwendung ist jedoch schon sprachlich durchaus anspruchsvoll. Bereits das ist, neben sinkenden gutachterlichen und allgemein-sprachlichen Leistungen in Semesterabschlussklausuren, Grund genug, Studierenden Raum zur Übung und qualifizierte Rückmeldungen zu ihren Ergebnissen zu bieten.

20 Kommentar schreiben zu Absatz 20 0 Die zur Wiederholung und Vertiefung „unter Anleitung eines erfahrenen wissenschaftlichen Mitarbeiters im relativ kleinen Kreise“[34] dienenden Arbeitsgemeinschaften (AG, je nach Universität auch als Tutorium bezeichnet) erscheinen hier als geeignetes Format.

21 Kommentar schreiben zu Absatz 21 0 Die juristische AG „mittlerer Art und Güte“ betreibt jedoch vorwiegend Falllösung im Lehrgespräch.[35] Insbesondere Methoden wie (Klein-)Gruppenarbeiten und andere aktivierende Sozialformen, die in größeren Veranstaltungen wie Vorlesungen und Übungen nicht zielführend eingesetzt werden können, bieten sich für AGs an, werden aber selten genutzt.

22 Kommentar schreiben zu Absatz 22 0 Dem Konzept einer schreibintensiven juristischen Arbeitsgemeinschaft liegen die folgenden Motivationen zu Grunde:

1. Aufbrechen der „Monokultur“ der didaktischen Methode

23 Kommentar schreiben zu Absatz 23 1 Denn bereits die Grundentscheidung für Frontalunterricht ist zweifelhaft. Auch ein Lehrgespräch ist der Natur nach sehr auf die Lehrenden konzentriert.[36] Insbesondere passive Studierende müssen immer wieder zur Teilnahme ermutigt werden[37] – und drohen dennoch, den Anschluss zu verlieren. Zudem ist ein Lehrgespräch nicht für alle Studierenden die ideale Lehr- bzw. Lernmethode. Eine breitere Auswahl an Methoden hingegen birgt das Potential, bei vergleichsweise wenig Aufwand auf Lehrendenseite mehr Studierende besser zu erreichen.[38]

2. Ausnutzen der Möglichkeit von Kleingruppen

24 Kommentar schreiben zu Absatz 24 0 Denn hierin besteht ein maßgeblicher Unterschied zu Vorlesungen und auch Übungen. Diese Formate sind aufgrund der großen Teilnehmendenzahlen naturgemäß in der Auswahl der verwendeten Lehrmethoden beschränkt. Zudem ist das Auditorium einer Vorlesung durchaus wechselnd, was Lehrmethoden, die Personenkontinuität im Auditorium erfordern, größtenteils ausschließt.

3. Explizites Erweitern des Lehrstoffs der AG um Methodik

25 Kommentar schreiben zu Absatz 25 2 Denn hierin bestehen gerade in den ersten Semestern die größten Schwierigkeiten der Studierenden. In Bezug auf Fachtexte bedeutet das auch – und gerade – die Beherrschung der richtigen Denk- und Darstellungsmethoden. Gleichzeitig lassen sich bei guten Kenntnissen der juristischen Methode Teile des in einer Klausur geprüften Wissens noch während der Klausurbearbeitung erarbeiten. Die Studierenden profitieren davon also doppelt.

4. Förderung der Schreibkompetenz

26 Kommentar schreiben zu Absatz 26 4 Schreibkompetenz ist, wie gezeigt, für das Absolvieren eines juristischen Studiums essentiell.  Diese ohnehin große Bedeutung wird durch die steigende Diversität von Studierenden auch im Studiengang Rechtswissenschaften noch verstärkt.[39] Allein dass diese explizit zum Gegenstand einer Veranstaltung gemacht werden und nicht (mehr) en passant vermittelt (oder gar gänzlich dem Selbststudium überlassen) wird, kann bereits für ihre Bedeutung sensibilisieren. Schließlich steht zu erwarten, dass sich mit steigender Schreibkompetenz auch die Prüfungsleistungen verbessern.


II. Kurzbeschreibung der Veranstaltung

27 Kommentar schreiben zu Absatz 27 0 Die Veranstaltung bleibt eine auf die juristische Fallanalyse und -lösung konzentrierte Arbeitsgemeinschaft. Sie findet wöchentlich innerhalb der Vorlesungszeit im Umfang von 2 Semesterwochenstunden (SWS) statt. Für die Anrechnung auf Bachelor-/Masterstudiengänge enspricht das einem Umfang von 3 Punkten nach dem Europäischen System zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen (European Credit Transfer and Accumulation System, ECTS).

28 Kommentar schreiben zu Absatz 28 0 Neben der Vermittlung inhaltlichen Wissens zum in der begleiteten Vorlesung behandelten (Teil-)Rechtsgebiet treten jedoch Grundlagen der Methodik. Diese werden in Schreibübungen be- und erarbeitet, was auch die Schreibkompetenz verbessern soll.

29 Kommentar schreiben zu Absatz 29 0 Zur Auflockerung des Lehrgesprächs sollen (Klein-)Gruppenarbeiten in bzw. und Schreibinterventionen (dazu unten III.2.) dienen.


III. Veranstaltungskonzept (Constructive Alignment)

1.Lernziele

30 Kommentar schreiben zu Absatz 30 0 Der Besuch universitärer Veranstaltungen sollte kein Selbstzweck sein. Idealerweise profitieren Studierende von einer Anwesenheit, indem sie sich Fachwissen (a), und Fähigkeiten (b) aneignen und deren Essentialia auch auf Langzeit (c) gelernt haben.

31 Kommentar schreiben zu Absatz 31 0 (a) Fachwissen

32 Kommentar schreiben zu Absatz 32 0 Die AG dient als Ergänzung zur Vorlesung und soll die dort bzw. durch Seminare und Literaturstudium erworbenen Kenntnisse wiederholen und vertiefen.[40] Ihr kommt daher zunächst kein eigener Rang in der Vermittlung von Fachwissen zu. Allenfalls ist das im Bereich wissenschaftlicher Arbeitstechniken der Fall.[41]

33 Kommentar schreiben zu Absatz 33 0 Der Kanon des Fachwissens, das Studierende verstehen und behalten sollen, bemisst sich daher zunächst an der jeweils begleiteten Vorlesung. Für den vorliegenden Versuch war dies die Vorlesung zum Staatsorganisationsrecht als Grundkurs I im Öffentlichen Recht. Studierende sollten daher nach Besuch der Veranstaltung im Grundgesetz orientiert sein und insbesondere die zentralen Normen zu Struktur- und Werteentscheidungen des deutschen Staates kennen. Das umfasst vor allem den Aufbau des Staates als demokratischer und sozialer Bundesstaat, das Rechtsstaatsprinzip, die Gesetzgebung im Bund, Grundzüge der Aufteilung der Staatsfunktionen zwischen Bund und Ländern sowie Grundzüge der Verfassungsgerichtsbarkeit und des Verfassungsprozessrechtes.

34 Kommentar schreiben zu Absatz 34 1 Dieses Wissen sollte in der AG wiederholt und durch Übung verfestigt werden. Zudem sollen die Studierenden die Grundzüge juristischer Methodenlehre[42] erlernen und ihre Anwendung einüben.

35 Kommentar schreiben zu Absatz 35 0 (b) Fähigkeiten

36 Kommentar schreiben zu Absatz 36 0 Die wesentliche Kompetenz, die in der AG vermittelt und geübt werden soll, ist das Verfassen juristischer Falllösungen.[43] Die hierzu verwendete Textart ist das juristische Gutachten bzw. die Gutachtenmethode (zur Methode oben B., zur Bedeutung für Studium und Beruf oben A.). Eng damit verbunden ist die formale (Aussagen-)Logik, insbesondere der syllogistische Schluss, eine Unterform logischer, deduktiver Schlüsse. Es sollten alle Arbeitsschritte,[44] die vom Erfassen eines juristischen Problems zu seiner schriftlichen Lösung führen, trainiert werden.

37 Kommentar schreiben zu Absatz 37 0 (c) Langzeit

38 Kommentar schreiben zu Absatz 38 0 Das Langzeitlernziel besteht darin, dass die Studierenden das juristische Denken verinnerlichen und die Gutachtenmethode beherrschen sowie im Staatsorganisationsrecht orientiert sein sollen.

2. Verwendete Lehr- und Lernmethoden

39 Kommentar schreiben zu Absatz 39 0 Während die Veranstaltung bewusst schreibintensiv gestaltet ist, bleibt der Fokus auf der Fallanalyse bestehen. Das Lehrgespräch bleibt somit die dominierende Lehrmethode. Durch einzelne Schreibaufträge als gezielte Interventionen soll die Veranstaltung jedoch aufgelockert und erweitert werden. Diese Interventionen sollen inhaltlich den Denk- und Schreibprozessen in praktischer juristischer Arbeit (mindestens aber der Klausursituation) möglichst nahe kommen. Dabei soll jedoch die Möglichkeit, von peer-assist-Effekten nicht außer Acht bleiben; viele Methoden nutzen daher den Think-Pair-Share[45]-Ansatz oder sog. Murmelgruppen.[46] Schließlich sollen die einzelnen Interventionen über die einzelnen Veranstaltungstermine hinweg wiederkehrend eingesetzt werden, sodass sich ein Gewöhnungs- und Übungseffekt einstellen kann.

40 Kommentar schreiben zu Absatz 40 0 Im Folgenden werden die einzelnen Schreibaufträge kurz skizziert (a–g); eine umfassende Darstellung mit Durchführungsanweisungen und Material muss aus Platzgründen anderweitig erfolgen. Ebenfalls anzusprechen sind einige Methoden, die sich für eine Veranstaltung nach dem Vorbild dieses Versuch gut eignen würden, für den konkreten Fall jedoch aus verschiedenen Gründen ungenutzt bleiben mussten (h). Danach soll die Abfolge der einzelnen Interventionen über den Verlauf der Veranstaltung dargestellt werden (i).

41 Kommentar schreiben zu Absatz 41 0 (a) Textsortensensibilisierung

42 Kommentar schreiben zu Absatz 42 0 Das juristische Gutachten ist, wie dargestellt, eine Textsorte sui generis. Kaum ein Erstsemester wird vor Studienbeginn Kontakt damit gehabt haben. Um die Studierenden dafür zu sensibilisieren, dass das Gutachten eigenen, zum Teil starren Regeln folgt, die ihm den eigenen Charakter geben, sollen sie sich zunächst in Kleingruppenarbeit die Regeln bereits (etwa aus der Schule) bekannter Textsorten bewusst machen. Im Folgenden soll gezielt eine Transferleistung auf die Anforderungen und Regelmäßigkeiten des juristischen Gutachtens erfolgen.

43 Kommentar schreiben zu Absatz 43 0 (b) Strukturvisualisierung

44 Kommentar schreiben zu Absatz 44 0 Das juristische Gutachten folgt, wie dargestellt, einem (mehr oder minder) strengen Viererschritt, der sich ständig wiederholt und zum Teil ineinander geschachtelt[47] ist. Das gibt dem Gutachten eine feste Struktur. „Es kann das Strukturbewusstsein schärfen, (…) Texte in vier Farben für die jeweiligen Subsumtionsschritte zu markieren.“[48] So soll das „Grundgerüst“ des Gutachtens ebenso visualisiert werden. Ebenso lässt sich auf diese Weise anschaulich zeigen, nach welchem „Rhythmus“ das Gutachten ineinander geschachtelt wird.

45 Kommentar schreiben zu Absatz 45 0 (c) Definitionsfindung

46 Kommentar schreiben zu Absatz 46 4 Die Subsumtion stellt das Herz des Gutachtens dar.[49] Ohne eine gute Definition kann sie jedoch nicht geschrieben werden, da nichts existiert, unter das subsumiert werden kann. Nicht immer aber haben die Studierenden – gerade in der Aufregung der Prüfungssituation – die passende Definition memoriert. Auswendig lernen mag für immer wiederkehrende „Standard-Definitionen“ sinnvoll sein. Zum erfolgreichen Behalten sämtlicher möglicherweise in Klausuren relevanter Definitionen benötigte man aber wohl ein fotografisches Gedächtnis. Das ist aber gar nicht notwendig, wenn man es beherrscht, eine Definition aus dem Stegreif zu formulieren.

47 Kommentar schreiben zu Absatz 47 0 Definitionen sind abstrakte Beschreibungen konkreter Begriffe. Bereits das Formulieren solcher abstrakter Beschreibungen schult auch den Blick auf die wesentlichen Eigenschaften eines Gegenstands. Gleichzeitig ermöglicht es den Studierenden die Reflexion eines Teilschritts der Gutachtenmethode und kann ihnen für Prüfungssituationen Sicherheit geben.

48 Kommentar schreiben zu Absatz 48 0 (d) Sachverhaltszusammenfassung

49 Kommentar schreiben zu Absatz 49 0 Eine zentrale gedankliche Leistung der Gutachtenmethode ist es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Überflüssiges wegzulassen.[50] Studierende müssen – gerade in der Klausur unter Zeitdruck – in der Lage sein, aus den Angaben im Sachverhalt diejenigen zu isolieren, die für die Lösung des vorliegenden Falles von Relevanz sind. Das ist nicht immer einfach; die Farbe eines Gegenstands im Kaufrechtsfall beispielsweise ist nur dann von Relevanz, wenn sich ein behaupteter Sachmangel gerade auf diese Farbe bezieht (G hat einen blauen Stift bestellt, bekommt aber einen roten geliefert), sonst nicht (H beklagt, sein grüner Stift schreibe nicht).

50 Kommentar schreiben zu Absatz 50 0 Die Zusammenfassung des Sachverhalts in angemessener Kürze ist ein erster Schritt der Klausurlösung und kann bereits in den ersten Obersatz/Einstieg des Gutachtens überleiten. Die Gestaltung dieses Schrittes als gezielte Schreibintervention soll einerseits die Fähigkeit fördern, aus dem Sachverhalt diejenigen Elemente herauszufiltern, auf die es ankommt. Andererseits werden durch die Durchführung als Schreibintervention alle Studierenden ermuntert, diesen Schritt tatsächlich für sich selbst durchzuführen und nicht auf die Lösung eines/einer einzelnen Kommilitonen zu warten.

51 Kommentar schreiben zu Absatz 51 0 (e) Problemschwerpunkte ermitteln

52 Kommentar schreiben zu Absatz 52 0 In das gleiche Horn wie die Sachverhaltszusammenfassung (oben (d)) stößt die Ermittlung der Problemschwerpunkte. Hier wird begonnen, den Sachverhalt in Einzelprobleme zu untergliedern und diese zu gewichten. Richtige Schwerpunktsetzung bedeutet, an den maßgeblichen Stellen ausführlich, an allen anderen Stellen aber so knapp wie möglich zu formulieren.[51]

53 Kommentar schreiben zu Absatz 53 0 Als Schreibintervention kann die Übung mit der Anfertigung einer sog. Lösungsskizze verbunden werden, die viele Studierende auch in ihren Klausuren aus einem oder mehreren passenden Prüfungsschemata einzelner Regelungen oder Verfahren anfertigen.

54 Kommentar schreiben zu Absatz 54 0 (f) Parallele schriftliche Falllösung

55 Kommentar schreiben zu Absatz 55 0 Den gesamten Fall schließlich nimmt die Übung der parallelen schriftlichen Falllösung in den Blick. Sie kann aus der Ermittlung der Problemschwerpunkte (oben (e)) hervorgehen oder eigens vorbereitet werden. Die Studierenden fertigen hier in Kleingruppenarbeit jeweils unterschiedliche Teile eines Gutachtens, die sich am Schluss der Übung in ein ungebrochenes Gesamtgutachten fügen.

56 Kommentar schreiben zu Absatz 56 2 Diese Übung veranschaulicht, dass die hohe Strukturierung des Gutachtens am Ende erlaubt, viele kurze und vergleichsweise einfache Texte zu verfassen, die „nur“ in der richtigen Reihenfolge angeordnet werden müssen, damit eine Fallbearbeitung zum Erfolg führt.

57 Kommentar schreiben zu Absatz 57 0 (g) Arbeitsblätter

58 Kommentar schreiben zu Absatz 58 5 Neben all diesen Methoden bestand die Möglichkeit, begleitende Arbeitsblätter zur Gutachtenmethode außerhalb der Veranstaltung in Gruppen- oder Einzelarbeit anzufertigen. Diese Methode war in der Vergangenheit von Studierenden gut angenommen worden. Erprobt hatte sich der Ansatz, von Anfang an festen Gruppen zu festen Terminen die Präsentation eines bearbeiteten, festen Arbeitsblattes zuzuweisen.

59 Kommentar schreiben zu Absatz 59 1 Dieser Effekt ist in der Durchführung des vorliegenden Versuchs bedauerlicherweise weniger stark ausgeprägt gewesen; die Möglichkeit der Kontrolle des Lernfortschrittes nahmen leider nicht alle Studierenden an.

60 Kommentar schreiben zu Absatz 60 0 (h) Weitere Methoden

61 Kommentar schreiben zu Absatz 61 2 In Betracht gezogen, aber letztlich vorwiegend aus Zeitmangel sowohl in der Vorbereitung als auch in der Durchführung wurden die kollegiale Korrektur sowie die Studierendenklausur.

62 Kommentar schreiben zu Absatz 62 0 „Charakteristisch für [die] Methode [der kollegialen Korrektur] ist, dass der/die einzelne Studierende die Perspektive wechselt und zugleich Hinweise eines Mitglieds seiner/ihrer Peergroup erhält. Dafür schreibt er/sie eine Übungsklausur, gibt diese ab und erhält eine [Korrektur] eines/einer anderen Studierenden (…).“[52] Die Studierenden können einerseits durch Kommunikation in der Peergroup ihre eigene Arbeitsweise verbessern, andererseits durch den „Blick durch die Korrekturbrille“ zur Reflexion der eigenen Leistung angeregt werden.[53]

63 Kommentar schreiben zu Absatz 63 0 Bei der Studierendenklausur „entwickeln [die Studierenden] zur Repetition und Prüfungsvorbereitung in Kleingruppen mögliche Klausuraufgaben. Aus diesem Aufgabenpool werden Übungsklausuren zusammengestellt, die sie im nächsten AG-Termin bearbeiten.“[54] Auch diese Methode setzt auf den Perspektivwechsel, um den Blick für Klausurprobleme zu schärfen und die Schwerpunktsetzung zu trainieren.

64 Kommentar schreiben zu Absatz 64 0 (i) Einsatzabfolge

65 Kommentar schreiben zu Absatz 65 2 Die Abfolge der Interventionen folgt nach den Grundmustern „vom Bekannten zum Unbekannten“ und „vom Kleinen zum Großen“.

66 Kommentar schreiben zu Absatz 66 0 Die Textsortensensibilisierung (oben (a)) erfolgt einmalig ganz zu Beginn der Veranstaltung. Je nach verfügbarer Zeit soll noch in dieser oder aber zu Beginn der nächsten Einheit, ebenfalls einmalig, die Strukturvisualisierung (oben (b)) folgen. Die Studierenden können ermuntert werden, diese Methode zur Kontrolle ihrer eigenen Übungstexte zu verwenden.[55] Im Zusammenhang mit dieser Übung soll erstmals die Methodik des gutachterlichen Viererschrittes vermittelt werden.

67 Kommentar schreiben zu Absatz 67 0 Eine erste wiederkehrende Intervention ist die Definitionsfindung (oben (c)). Sie leitet mit ihrem Blick auf „das Wesentliche“ in die Sachverhaltszusammenfassung (oben (d)), die ihr folgt oder als weitere Intervention in der gleichen Einheit durchgeführt wird. Es bietet sich an, beide Übungen über etwa die erste Hälfte der Veranstaltung in jeder Einheit mindestens einmal durchzuführen.

68 Kommentar schreiben zu Absatz 68 0 Diesen „Blick aufs Wesentliche“ soll auch die Übung zur Schwerpunktsetzung (oben (e)) fokussieren. Sie kann unmittelbar in die parallele schriftliche Falllösung (oben (f)) überleiten, weswegen diese beiden Übungen idealerweise unmittelbar hintereinander und zwar im späteren Verlauf der Veranstaltung angewendet werden.

69 Kommentar schreiben zu Absatz 69 0 Die Möglichkeit zur Besprechung der zur Verfügung gestellten Arbeitsblätter (oben (g)) sollte in jeder Einheit (abgesehen von der ersten) bestehen.

3. Rückmeldungen, Prüfungsform

70 Kommentar schreiben zu Absatz 70 0 Die verwendeten Lehr- und Lernmethoden sollen bei bzw. nach ihrem Einsatz von Rückmeldungen der Lehrperson andererseits und der Studierenden andererseits begleitet werden (a). Darüber hinaus steht die Veranstaltung auch im Zusammenhang mit einer Prüfung (b).

71 Kommentar schreiben zu Absatz 71 0 (a) Rückmeldungen (Feedback)

72 Kommentar schreiben zu Absatz 72 0 Neben den ad-hoc-Rückmeldungen im Lehrgespräch sind insbesondere die folgenden Rückmeldungen der Lehrperson vorgesehen:

73 Kommentar schreiben zu Absatz 73 0 Die Lehrperson kommentiert (und korrigiert ggf.) die Ergebnisse der Schreibinterventionen, soweit diese im Plenum präsentiert bzw. diskutiert werden. Ebenso kommentiert (und ggf. korrigiert) die Lehrperson die Arbeitsblätter bei der Präsentation. Mindestens eine (unter „echten“ Klausurbedingungen geschriebene) Übungsklausur und ggf. ein weiterer Übungsfall werden nach den Maßstäben einer Semesterabschlussklausur korrigiert.

74 Kommentar schreiben zu Absatz 74 2 Die Studierenden geben sich vor allem im Rahmen von Schreibinterventionen, die die Methoden einer Murmelgruppe oder der Think-Pair-Share-Methode nutzen, untereinander organisiert Rückmeldungen.

75 Kommentar schreiben zu Absatz 75 0 (b) Prüfung

76 Kommentar schreiben zu Absatz 76 3 Eine eigene Prüfung ist für das „Bestehen“ der AG nicht vorgesehen. Der entsprechende Schein ist ein „Sitz-Schein“, d.h. die Anforderungen sind durch Anwesenheit und Mitarbeit erfüllt.

77 Kommentar schreiben zu Absatz 77 0 Die begleitete Vorlesung sieht eine schriftliche Aufsichtsarbeit über die Dauer von 2 Zeitstunden (Semesterabschlussklausur) vor, auf die die AG vorbereiten soll. Gegenstand der Prüfung ist in der Regel ein einzelner Sachverhalt aus dem Staatsorganisationsrecht, der in eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht mündet. Regelmäßig soll deren Zulässigkeit und Begründetheit in einem juristischen Gutachten, das mittels der erlernten Methoden sprachlich adäquat auf alle im Sachverhalt aufgeworfenen rechtlichen Probleme eingeht, geprüft werden.


IV. Evaluation

1. Selbsteinschätzung der Studierenden

78 Kommentar schreiben zu Absatz 78 4 Die Selbsteinschätzung der Studierenden wurde anonymisiert durch Fragebögen erhoben. Neben Fragen zu Stoffumfang (zu wenig – zu viel) und der Arbeitsgeschwindigkeit (zu langsam – zu schnell) wurde jeweils auf die Übungen C.III.2.(c), C.III.2.(d) und C.III.2.(f) bezogen gefragt, ob diese die Studierenden „dem Schreiben von Falllösungen nähergebracht“ hätten bzw., ob sie sich gut auf die Klausur vorbereitet fühlen. Die Fragen sind an lernzielorientierte Evalution[56] angelehnt, geben jedoch nur ein allgemeines Lernziel vor und fragen stattdessen vorwiegend nach der Zufriedenheit mit einzelnen Methoden (die jeweils mehr als zweimal eingesetzt worden waren). Das hat vor allem den Grund, dass mit der Abfrage der Selbsteinschätzung das Ziel verbunden war, einer Ermittlung des Anteils einzelner Methoden am (subjektiven) Gesamtlernerfolg nahe zu kommen.

79 Kommentar schreiben zu Absatz 79 2 Für den Gesamterfolg aussagekräftiger erscheint das Klausurergebnis (dazu unten 3.). Als Indikator wurde im Fragebogen das Ergebnis einer Probeklausur abgefragt. Die Ergebnisse lassen hoffen (die Teilnehmenden erreichten einen vergleichsweise außergewöhnlich hohen Notendurchschnitt); belastbare Aussagen konnten allerdings aufgrund viel zu kleiner Stichproben nicht getroffen werden.

2. Reflexion

80 Kommentar schreiben zu Absatz 80 0 Naturgemäß verändert jede neue Durchführung einer Methode auch den Blick der Anwendenden auf ihr Werkzeug. Die Erfahrungen der Lehrperson zu einzelnen Methoden und zum Gesamtkonzept gehen daher in Form einer strukturierten schriftlichen Reflexion ebenfalls in die Auswertung mit ein.

3. Klausurerfolg

81 Kommentar schreiben zu Absatz 81 5 Zentraler Indikator für den Erfolg der Veranstaltung ist das Abschneiden der Teilnehmenden in der Semesterabschlussklausur der begleiteten Vorlesung. Je größer der Lernerfolg in der Veranstaltung, desto besser die Vorbereitung auf die Klausur, in der maßgeblich die in der Veranstaltung trainierte Methodik abgeprüft wird. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgt anonymisiert und gruppenbezogen; von einer Zuordnung der Klausuren zu einzelnen Fragebögen (s.o. 1.) wurde abgesehen; eine datenschutzkonforme Durchführung dieses Vorhabens erschien für den Umfang des vorliegenden Versuchs zu aufwändig.


V. Übertragbarkeit auf andere Disziplinen

82 Kommentar schreiben zu Absatz 82 0 Die Gutachtenmethode ist eine Eigenart der deutschen Jurisprudenz.[57] Was nicht einmal auf die gleiche Disziplin jenseits von Landes-, nicht aber Sprachgrenzen[58] anwendbar ist, kann jedenfalls zum Teil nicht ohne Weiteres auf andere Disziplinen übertragen werden. Gleichwohl dienen die meisten vorgestellten Interventionen der Verbesserung des sprachlichen Ausdrucks sowie des konkret-analytischen Denkens. Auch die Fähigkeit, überzeugend zu argumentieren, wissenschaftliche Ergebnisse also in verständlicher Form darzustellen, dürfte fachübergreifend von Nutzen sein.

83 Kommentar schreiben zu Absatz 83 0 Im Einzelnen eignet sich die Textsortensensibilisierung (s.o. C.III.2.(a)) als einführende Übung in all jenen Disziplinen, in denen Texte nach fixen Schemata verfasst werden. Für Textsorten, in denen die Abfolge einzelner Strukturelemente von besonderer Bedeutung ist, kann auch die Strukturvisualisierung (s.o. C.III.2.(b)) übernommen bzw. angepasst werden. Das Formulieren einzelner Textfragmente aus dem Stegreif (s.o. C.III.2.(c)) kann als allgemeine Intervention den Erfordernissen praktisch jeder Disziplin angepasst werden. Mindestens in hermeneutischen Wissenschaften ist das pointierte Zusammenfassen gegebener Texte (s.o. C.III.2.(d)) eine Kernkompetenz. Aber auch in allen anderen Wissenschaften müssen Texte rezipiert und dabei deren zentrale Inhalte erfasst und wiedergegeben werden können. Auch diese Methode dürfte daher letztlich fach-unspezifisch sein. Das Ermitteln bzw. Eine Übung zur Schwerpunktsetzung (s.o. C.III.2.(e)) dürfte insbesondere in Hausarbeitentutorien aller Disziplinen anwendbar sein. Zuletzt ist die Methode des parallelen Verfassens gemeinsamer Texte (s.o. C.III.2.(f))an alle Textsorten anpassbar, die sich so weit untergliedern lassen, dass klare Grenzen für die Zuständigkeit der einzelnen Bearbeitenden gezogen werden können.


84 Kommentar schreiben zu Absatz 84 3 D. Zwischenfazit

85 Kommentar schreiben zu Absatz 85 1 Die Evaluation des Versuchs ist noch nicht beendet. Ein abschließendes Fazit kann daher nicht gezogen werden.

86 Kommentar schreiben zu Absatz 86 0 Gleichwohl sind die Übungen im Großen und Ganzen von den Studierenden angenommen worden. Die Evaluation der Veranstaltung als solcher (noch ohne die gesondert durchgeführte Methodenevaluation) liegt bereits vor; sie ist positiv ausgefallen. In Freitextantworten nehmen einige Studierende explizit auf die Schreibmethoden Bezug, hier ausschließlich positiv (entweder lobend oder mit der Kritik, das solche Übungen zu wenig durchgeführt wurden). Das spricht jedenfalls dafür, dass die gewählten „neuen“ Methoden eine sinnvolle Ergänzung zur Aktivierung und Motivation der Studierenden darstellen.

87 Kommentar schreiben zu Absatz 87 0 [1]Morlok, Das Jurastudium als Einübung der juristischen Fachsprache, in: Brockmann/Pilniok (Hrsg.), Recht sprechen lernen, Baden-Baden 2016, 11–26 (14, 25, passim).

88 Kommentar schreiben zu Absatz 88 0 [2]So auch ders., ibid,S. 16.[5]Vgl. etwa § 7 Abs. 1 S. 4 des Gesetz über die Juristenausbildung im Land Brandenburg (Brandenburgisches Juristenausbildungsgesetz, BbgJAG).

89 Kommentar schreiben zu Absatz 89 0 [3]An der Europa-Universität Viadrina sind alle universitären Prüfungen mit Ausnahme einer mündlichen Prüfung im Schwerpunktbereich schriftliche Prüfungsleistungen, §§ 19 Abs. 1 S. 1, 30 Abs. 1, 36 S. 2 Studien- und Prüfungsordnung des Studiengangs Rechtswissenschaften an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) (SPO-ReWi).

90 Kommentar schreiben zu Absatz 90 0 [4]In Brandenburg geht der schriftliche Teil zu 63% in die Endnote ein, § 10 Abs. 2 S. 2 Brandenburgische Juristenausbildungsordnung (BbgJAO).

91 Kommentar schreiben zu Absatz 91 0 [5] Vgl. etwa § 7 Abs. 1 S. 4 des Gesetz über die Juristenausbildung im Land Brandenburg (Brandenburgisches Juristenausbildungsgesetz, BbgJAG).

92 Kommentar schreiben zu Absatz 92 0 [6]Hierzu statt aller: Mann, Einführung in die juristische Arbeitstechnik, München, 5. Aufl. 2015, Rn. 340 ff. sowie Mix, Schreiben im Jurastudium, Paderborn 2011, S. 141 ff.

93 Kommentar schreiben zu Absatz 93 0 [7]So beklagt etwa Hildebrand, bis zum Examen werde kaum Wissen über die Gutachtenmethode vermittelt und ebenso wenig Möglichkeit gegeben, sie zu trainieren; dies., Juristischer Gutachtenstil, Tübingen, 3. Aufl. 2017, S. XI.

94 Kommentar schreiben zu Absatz 94 0 [8]Vgl. etwa Wieduwilt, Die Sprache des Gutachtens, JuS 2010, 288–292, passim; ebenso bereits – lesenswert launig – Schneider, Das erkennende Beschluß-Gericht und der vermaledeite Konjunktiv, DRiZ 1986, 383 f.

95 Kommentar schreiben zu Absatz 95 0 [9]So auch Wieduwilt (Fn. 8), S. 288.

96 Kommentar schreiben zu Absatz 96 0 [10]Diese Überzeugung stützt sich auf vorhergehende, gute Erfahrung anderer; statt aller Hildebrand, Fraglich ist, ob und wie der Gutachtenstil lehrbar ist . – Eine Antwort aus der Praxis, in: Brockmann/Pilniok (Fn. 1),141–154.

97 Kommentar schreiben zu Absatz 97 0 [11]Hattie/Yates, Using feedback to promote learning, in: Benassi/Overson/Hakala (Hrsg.), Applying the science of learning in education: Infusing psychological science into the curriculum, Washington DC, 2014, online unter http://teachpsych.org/ebooks/asle2014/index.php (zuletzt abgerufen am 15.02.2020).

98 Kommentar schreiben zu Absatz 98 0 [12]Wolf, Zur Methode der Lösung eines Strafrechtsfalles, JuS-L 1987, 57–60, 73–77 (57 f.), später erneut ders., Methodik der Fallbearbeitung für Studenten, JuS 1996, 30–36 (30).

99 Kommentar schreiben zu Absatz 99 0 [13]Eingängig: Hildebrand (Fn. 7), S. 5 ff.

100 Kommentar schreiben zu Absatz 100 0 [14]Zur Methode der Problemzerlegung etwa Morlok (Fn. 1), S. 17.

101 Kommentar schreiben zu Absatz 101 0 [15]Hildebrand (Fn. 7), S. 5 ff.

102 Kommentar schreiben zu Absatz 102 0 [16]Wieduwilt (Fn. 8), S. 289.

103 Kommentar schreiben zu Absatz 103 0 [17]Valerius, Der Gutachtenstil in der juristischen Fallbearbeitung, JA Sonderheft für Erstsemester 2017, 36–42 (38).

104 Kommentar schreiben zu Absatz 104 0 [18]Von lat. sub sumere, „darunter fassen“.

105 Kommentar schreiben zu Absatz 105 0 [19]Lagodny/Mansdörfer/Putzke, Im Zweifel: Darstellung im Behauptungsstil, ZJS 2014, 157–164 (157 f.).

106 Kommentar schreiben zu Absatz 106 0 [20]„Stil“ auf Duden Online, <https://www.duden.de/node/174140/revision/174176> (zuletzt abgerufen am 15.02.2020).

107 Kommentar schreiben zu Absatz 107 0 [21]Eine umfassende Darstellung der wichtigsten Stilregeln im engeren Sinne präsentiert Hattenhauer, Stilregeln für Juristen, JA Sonderheft für Erstsemester 2017, 43–46.

108 Kommentar schreiben zu Absatz 108 0 [22]Hildebrand (Fn. 7), S. 2.

109 Kommentar schreiben zu Absatz 109 0 [23]Wieduwilt (Fn. 8), S. 289.

110 Kommentar schreiben zu Absatz 110 0 [24]Eschelbach in: von Heintschel-Heinegg (Hrsg.), BeckOK StGB, München, 44. Ed. (01.11.2019), § 211 Rn. 7.

111 Kommentar schreiben zu Absatz 111 0 [25]Übrigens ausdrücklich ohne ausdrücklichen Verweis auf den Sachverhalt, vgl. Hildebrand (Fn. 7), S. 38, ebenso Hattenhauer (Fn. 21), S. 46.

112 Kommentar schreiben zu Absatz 112 0 [26]Von Hildebrand als „langes“ Abkürzen bezeichnet, dies. (Fn. 7), S. 43 f.

113 Kommentar schreiben zu Absatz 113 0 [27]Von Hildebrand als „kurzes“ Abkürzen bezeichnet, dies. (Fn. 7), S. 44.

114 Kommentar schreiben zu Absatz 114 0 [28]So etwa Wieduwilt (Fn. 8), S. 290.

115 Kommentar schreiben zu Absatz 115 0 [29]Lagodny/Mansdörfer/Putzke (Fn. 19), 157, 159 f..

116 Kommentar schreiben zu Absatz 116 0 [30]Deutlich etwa Mann (Fn. 6), Rn. 221, ebenso Wieduwilt (Fn. 8), S. 290 f.

117 Kommentar schreiben zu Absatz 117 0 [31]Eindrücklich dazu OVG Münster, Urt. v. 27.8.2009 – 14 A 313/09.

118 Kommentar schreiben zu Absatz 118 0 [32]Wieduwilt (Fn. 8), S. 289.

119 Kommentar schreiben zu Absatz 119 0 [33]A.A. allerdings etwa sowohl Valerius, a.a.O. sowie Mann (Fn. 4), Rn. 210.

120 Kommentar schreiben zu Absatz 120 0 [34]Mann (Fn. 6), Rn. 7.

121 Kommentar schreiben zu Absatz 121 0 [35]Zur Methode: Zimmermann/Aksoy, Kompetenztrainer Rechtsdidaktik, Baden-Baden 2019, Tool 3 Rn. 75–77.

122 Kommentar schreiben zu Absatz 122 0 [36]Zimmermann/Aksoy, ibid, Tool 3 Rn. 75.

123 Kommentar schreiben zu Absatz 123 0 [37]Zimmermann/Aksoy, ibid, Rn. 77.

124 Kommentar schreiben zu Absatz 124 0 [38]Zimmermann/Aksoy ibid, Tool 4 Rn. 87.

125 Kommentar schreiben zu Absatz 125 0 [39]Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung (gefsus), Positionspapier Schreibkompetenz im Studium, Nürnberg 29.09.2018, <http://www.gefsus.de/positionspapier_2018.pdf> (zuletzt abgerufen am 15.02.2020), S. 2.

126 Kommentar schreiben zu Absatz 126 0 [40]So fast wörtlich § 5 Abs. 9 SPO-ReWi (Fn. 3).

127 Kommentar schreiben zu Absatz 127 0 [41]Ibid.

128 Kommentar schreiben zu Absatz 128 0 [42]„Sie setzt sich mit der Frage auseinander, wie das Recht entsteht, angewendet und weiterentwickelt wird.“, Zimmermann/Aksoy (Fn. 35), Tool 1 Rn. 4.

129 Kommentar schreiben zu Absatz 129 0 [43]In Form von sog. Richterklausuren (zur Urteilsvorbereitung), Mix (Fn. 6), S. 80 f.

130 Kommentar schreiben zu Absatz 130 0 [44]Hierzu Mix, ibid, S. 10.

131 Kommentar schreiben zu Absatz 131 0 [45]Zimmermann/Aksoy (Fn. 35), Tool 5 Rn. 29.

132 Kommentar schreiben zu Absatz 132 0 [46]Ibid, Rn. 27.

133 Kommentar schreiben zu Absatz 133 0 [47]So kann etwa eine Definition, d.h. der Obersatz eines Schlusses, mehrere Merkmale haben, die ihrerseits zur Überprüfung jeweils eines eigenen gutachterlichen Vierschrittes bedürfen.

134 Kommentar schreiben zu Absatz 134 0 [48]Wieduwilt (Fn. 8), S. 292.

135 Kommentar schreiben zu Absatz 135 0 [49]Valerius (Fn. 17), S. 40.

136 Kommentar schreiben zu Absatz 136 0 [50]Hildebrand (Fn. 10), S. 146; vgl. auch dies. (Fn. 7), S. 41 f.

137 Kommentar schreiben zu Absatz 137 0 [51]Zum daraus für Studierenden als auch Lehrende entstehenden Dilemma eindrücklich Lagodny/Mansdörfer/Putzke (Fn. 19), S. 160 ff.

138 Kommentar schreiben zu Absatz 138 0 [52]Frenzel, Kollegiale Korrektur, ZDRW 2017, 210–217 (210).

139 Kommentar schreiben zu Absatz 139 0 [53]Frenzel, ibid, S. 214.

140 Kommentar schreiben zu Absatz 140 0 [54]Musumeci, Prüfungsvorbereitung durch Perspektivwechsel: Studierende erstellen Klausuren, ZDRW 2014, 376–379 (376).

141 Kommentar schreiben zu Absatz 141 0 [55]So auch Wieduwilt (Fn. 8), S. 292.

142 Kommentar schreiben zu Absatz 142 0 [56]Vgl. die Darstellung bei Hildebrand (Fn. 9), S. 151 ff.

143 Kommentar schreiben zu Absatz 143 0 [57]Lagodny/Mansdörfer/Putzke (Fn. 19), S. 157.

144 Kommentar schreiben zu Absatz 144 0 [58]Ausführlicher zu den Unterschieden zwischen der deutschen und der österreichischen Methodik Lagodny, Juristisches Begründen, Wien 2013, S. 19 m.w.N, passim.




145 Kommentar schreiben zu Absatz 145 0

Quelle:https://schreibenlehren.de/aktiver-einstieg-in-fach-eigene-textsorten/